Interview mit Luis Felipe Da Silva

Vom Tennisplatz in den Ring – auf dem Weg zu Olympia

Vom talentierten Tennisspieler zum hungrigen Kämpfer: Luis Felipe Dasilva ist 21 Jahre alt, Halb Schweizer, Halb Brasilianer und lebt heute in Brasilien, wo er seinen Traum verfolgt, Profiboxer zu werden. Im Interview spricht er offen über seinen Weg, seine Zweifel, das prägende Training bei UMAC in Arbon, seine Zeit beim Militär und die intensive Zusammenarbeit mit UFC Veteran Kevin Suoza. Ein Gespräch über Disziplin, Heimweh, mentale Stärke und warum der Ring für ihn zur Berufung wurde.

Wer bist du?

Ich bin Luis Felipe Dasilva, bin 21 Jahre alt und wohne zurzeit alleine in Brasilien. Ich habe Familie hier, aber wohne in meinen eigenem Raum.

Ich habe einen Bruder, den Andre Luca Dasilva, auch ein Boxer, aber er Switcht grade ins MMA.

Ich bin Halb Schweizer und Halb Brasilianer, deshalb auch der Name “Dasilva”.

Ich bin Boxer und ich bin ein Typ der seine Ziele verfolgt und alles dafür gibt.

Bist du bereits als Profi-Boxer klassifiziert?

Nein, ich Amateur und mein Ziel ist es, nach 2028 in den Profibereich zu wechseln. Zurzeit sind wir in der Vorbereitung dafür. Bis dahin Erfahrung sammeln und so viel kämpfen wie möglich.

Was ist dein täglicher Antrieb?

Es ist einfach das Feuer und der Hunger in mir.

Schwierig zu sagen. Es ist etwas in mir. Ich wurde mit diesem Antrieb geboren und es ist meine Bestimmung, Profiboxer zu werden.
Ich stehe auf, ich gehe einfach ins Training und gebe einfach mein Bestes.

Ich mache das in erster Linie für mich selbst. Es gibt viele, die machen das für externe Gründe wie Familie, Fame, Anerkennung und Geld. Ich mache das für mich selbst und um mir selber zu beweisen, dass ich das Zeug dazu habe, Champion zu werden.

Dein Start bei UMAC GYM Arbon – wie kam es dazu?

Beim ersten Training dachte ich einfach nur: Wow.

Ich war ein sehr begabter Tennisspieler und habe international (in Europa und Brasilien) gespielt. Ich habe auch die Sportschule besucht. Aber es hat mir einfach etwas im Tennissport gefehlt und somit ist mir auch die Freude daran vergangen.

Ich habe über ein Jahr lang nach einem neuen Sport gesucht. Ein Freund hat mich dann ins Schnuppertraining bei UMAC eingeladen. Etwas Muay Thai und MMA kann ja nie schaden.

Beim ersten Training dachte einfach nur “Wow”. Die Atmosphäre in einem Kampfsportgym ist einfach was anderes. Das hat mich richtig motiviert und es war einfach toll, bei Mirhad zu trainieren.

Mirhad ist stark, streng, hat das Training aber gut variiert (Technik, Pratzen, Sparring) und hat auch viele Krafteinheiten eingebaut. Mirhad ist ein absoluter Spezialist im Kapmfsport.

Ich habe mich dann angemeldet und Anfangs war es einfach zum Trainieren. Ich wollte zu Beginn nicht Kämpfer werden. Aber Mirhad und ich haben schnell gemerkt, dass ich das Talent zum Kämpfen habe. Ich wurde schnell besser und dann kam die Frage, ob ich kämpfen möchte.

Nach einem Jahr hatte ich dann meinen ersten Kickbox Kampf, den ich verlor. Ich hatte ziemlich auf den Mund bekommen.
Es war ein guter Kampf, auch wenn ich verloren habe.

Dieses Gefühl im Ring zu stehen, es war nicht von dieser Welt. Pures Adrenalin. Sobald ich im Ring stand, habe ich nichts mehr gehört, es gab nur noch den Gegner und mich. Und es war ein überwältigendes Gefühl, einfach zu Krass.

Wie ging deine Reise weiter bis zum Box-Kämpfer?

Nach meinem ersten Kampf hatte ich wirklich Zweifel, ob das Kämpfen wirklich etwas für mich ist. Ich habe einfach weiter trainiert, aber ohne Motivation zum Kämpfen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch mit Calisthenics angefangen, was dann eine Zeit lang auch mein Fokus war.

Mein Bruder ist Karateka und war Junior Europa-Vize Meister. Er wollte dann ins Boxen wechseln und ich habe ihn zu seinem ersten Training begleitet und hab dann gleich spontan mittrainiert.
Und ich habe mich in dem Training ins Boxen verliebt!

Ich bin dann in ein Boxgym in Kreuzlingen gewechselt, weil es auch näher bei mir zu Hause ist. Nach 8 Monaten hatte ich dann meine ersten 2 Boxkämpfe. 1 Win und 1 Loss.

Danach ging es aber direkt ins Militär, weshalb ich einen Unterbruch hatte. Ich dachte lange, dass Militär mein Weg ist und ich dort Karriere machen kann, stellt sich heraus, dass ich die RS einfach gehasst habe. Im Militär habe ich richtig gemerkt, dass ich den Kampfsport und den Ring vermisse. Und so wurde mein Traum, Profiboxer zu werden, erst richtig erweckt.

Wie bist du nach Brasilien gekommen und zu Kevin Suoza?

Er hat das Feuer in mir gespürt und mich unter seine Fittiche genommen.

Brasilianer sind einfach gute Boxer und Kampfsportler. Da ich hier Familie habe, bin ich ziemlich schnell hier hergenommen. Ohne genauen Plan.

Zufällig war ich mit meiner Tante und ihrer Kollegin im Restaurant, als plötzlich ein bekannter dieser Kollegin, ein MMA Fighter, aufgetaucht ist. Wir kamen schnell in das Gespräch und ich erzählte ihm, dass es mein Traum ist, hier Profi zu werden. Er erklärte mir, dass es möglich ist, dass ich in São Paulo nur als besserer Boxsack für die guten Boxer gedient hätte, und das Boxen gar nie richtig erlernt hätte. Er kenne hier einen richtig guten Boxer und UFC Kämpfer, der inzwischen im Ruhestand ist: Kevin Suoza.

Am selben Tag hab ich mich mit Kevin Suoza getroffen und wir hatten gleich das erste Training. Ich war richtig nervös.

Er hat das Feuer in mir gespürt, und obwohl er eigentlich kein Boxtrainer mehr ist, hat er mich dann relativ schnell unter seine Fittiche genommen.

Seine Erfahrung war nicht von dieser Welt, und ich habe ihm relativ schnell zugesagt.

Wie unterscheidet sich das Training mit Kevin Suoza?

Ich dachte, ich wüsste wie man boxt – Kevin hat mich komplett um 180 Grad gedreht.

Definitiv dass er nur für mich da ist. In einem grossen Gym muss der Trainer auf Alle achten.

Weiter ist es die Erfahrung. Er hat in der UFC gekämpft und weiss genau auf was er achten muss. Er hat auch Secret-Tricks, die man sonst nicht mitbekommt.

Ich dachte damals, ich wüsste, wie man boxt und Kevin Suoza hat mich nochmals um 180 Grad umgedreht und mich zu einem ganz anderen Kämpfer gemacht. Ich war früher ein Bull, einfach rein und viele Haken und Uppercuts im In-Fight. Er hat mich zu einem ganz anderen Fighter gemacht. Heute boxe ich viel mehr aus der Lang-Distanz. Ich achte viel mehr auf mein Timing und kann mich besser auf jede Situation anpassen.

Technisch bin ich nun auf einem ganz anderen Level, als vor meiner Reise nach Brasilien.

Hast du hier einen spezifischen Sparringpartner?

Ich trainiere mit einem Fighter, der auf dem besten Weg war, olympischer Boxer zu werden. Leider hatte er sich schwer verletzt und ist jetzt wieder im Aufbau. In ihm habe ich einen Partner und einen Konkurrenten gefunden.

Weiter gehen wir in verschiedene Gyms und Sparrings zu machen.

Wie viele Kämpfe hast du hier bereits bestritten und welche sind in Planung?

Mein nächster Kampf ist am Samstag und dann in 2 Wochen gleich der nächste Kampf.

Zur Zeit Kämpfe ich in Santa Catarina regional und später geht es auch nach São Paulo.

Zu meiner Statistik: 10 Fights, 8 W (5 KO) und 2 L

Ich konnte bereits einige Titel holen. Zurzeit bin ich regionaler Vize-Champion. Wäre fast zu den Nationals gegangen, aber habe leider das Finale verloren.

Viele KO’s, wie hast du die geholt? 

Mit meiner rechten Graden und mit dem linken Haken. Die Knockout Power ist definitiv da.

Olympia – dein grosses Ziel?

Ich will für die Schweiz Olympia-Gold holen.

Olympia ist einfach das grösste. Eine Medaille in Olympia zu holen, bedeutet einfach, dass man was kann.

Mein Vater war 2004 in Athen an den Olympischen Spielen für Brasilien, in einem anderen Sport. Und ich möchte seine Legacy weiterführen und Gold holen.

Ich möchte für die Schweiz Geschichte schreiben und im Boxen Olympia Gold holen. Die Schweiz war im Boxen das letzte Mal 1975 dabei, seit dem nie mehr.

Der nächste Schritt, ist 2026 ins Nationalteam zu kommen und dann an internationalen Tournieren teilzunehmen. Wir brauchen dann eine gewisse Platzierung um uns für Olympia zu qualifizieren.

Was gibt dir die mentale Stärke?

An schwierigen Tagen trage ich einfach meine Maske – und ziehe durch.

Ich liebe es einfach zu trainieren. Es gibt sehr wenig schlechte Tage.

Der grösste Faktor ist das Heimweh. Ich vermisse die Schweiz und es gibt Tage, an denen ich einfach ins Flugzeug steigen und nach Hause möchte.

Ins Training wird sowieso gegangen. Ich trage dann einfach meine Maske und ziehe durch. Es gibt keine andere Option.

Klar gibt es schwierige Tage, aber schlussendlich ist es die Disziplin, die man einfach braucht, um an die Spitze zu kommen. Und ich möchte unbedingt an die Spitze!

Was hast du für eine Message an Junge Fighter?

Finde heraus, ob das wirklich dein Weg ist – und dann gib 100 Prozent.

An die Leute, die den Traum haben, Champion zu werden

Du musst einfach ALLES dafür geben. Aber du musst auch herausfinden, ob du überhaupt dafür gemacht bist. Du musst kämpfen und schauen, ob das dein Lebensweg bist. Sonst bist du immer nur so halb dabei. Du musst einfach 100 % sicher sein, dass das dein Traum ist und dann einfach alles dafür geben.

An die Leute von UMAC und an Mirhad Babic:

Mirhad, du hast mir das Feuer in mir erweckt, das wird für immer in meiner Herzen und ein Teil von mir sein.

Die ganze UMAC Familie wird immer ein Teil von mir sein. Ich wurde herzlich aufgenommen und werde das nie vergessen.

Ich bin bald zurück in der Schweiz, dann wird man sich wiedersehen und wir werden zusammen trainieren.

Ich möchte mich einfach von ganzem Herzen bei allen und vor allem bei Mirhad bedanken, der mich selbst heute aktiv unterstützt. Er ist einfach ein super Typ, ein herzlicher Mensch, der alles für seine Leute macht.

Hast du eine abschliessende Message?

Macht einfach, was euch Freude macht. Nicht was Social Media euch vorgibt.

Jungs und Mädels: Macht einfach was euch Freude macht. Schaut nicht auf Social Media, sondern macht einfach was ihr machen möchtet!

Das Heimweh zeigt mir, warum ich nach Brasilien gegangen bin. Warum ich all diese Opfer erbringe und diesen Traum verfolge. Es gibt mir Kraft. Und diese Verbindungen in die Schweiz, die werden so nur noch stärker.

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